Pascal, erst Google-Gegner, jetzt Google-Fan

Vom Google-Gegner zum Google-Fanboy

Nach langer Pause gibt es wieder ein Webmaster-Interview, diesmal mit Pascal, dem Betreiber von www.passsy.de. Auf seinem Blog schreibt er u. a. über Android und Google+. In diesem Interview erfahrt ihr, wie Pascal sich im Laufe der Zeit vom Google-Gegner zum Google-Fanboy entwickelt hat und warum er keine Probleme damit hat, Google den Zugriff auf seine Daten zu gewähren.

Hallo Pascal, erzähl doch mal etwas über dich und was du so im Internet treibst.

Vom Google-Gegner zum Google-Fanboy - PassyIch heiße Pascal Welsch und wohne, arbeite und studiere als BA-Student momentan in Stuttgart.

Vor über 2 Jahren habe ich angefangen, meine ersten Artikel zu schreiben. Jedoch würde ich behaupten, dass ich erst einige Monate später richtig mit dem bloggen angefangen habe, als ich mir meinen ersten Webspace kaufte. Bis dahin hatte ich noch gar nichts mit Webtechniken wie CSS oder PHP zu tun. Doch als Webmaster kommt man um solche Dinge einfach nicht herum. Das Ganze hat mir dann so viel Spaß gemacht, dass ich mich dazu entschlossen habe, Angewandte Informatik zu studieren, besonders nachdem ich mich mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigt habe.

Momentan hingegen habe ich nicht mehr ganz so viel als Webmaster zu tun. Meine neue Leidenschaft ist die Android-Entwicklung. Und genau diese habe ich mir lediglich durch das Internet beigebracht. Das ganze fand ich irgendwie schon spannend, dass man heutzutage auf Bücher und Lehrer verzichten kann.

Das Internet ist für mich in erster Linie einfach eine Informationsquelle. Deshalb verbringe ich auch täglich viel Zeit damit, die neuesten Artikel in meinem Reader zu lesen, um bei der technischen Entwicklung immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Wenn mir dabei etwas wichtig erscheint, dann teile ich es in einem Sozialen Netzwerk und mache es somit im Internet ein wenig relevanter, und wenn ich selbst etwas mitzuteilen habe, dann blogge ich das. Dabei ist es eigentlich egal, um welches Thema es geht. Meistens sind es aber technische Artikel.

Lange ArtikelMir ist aufgefallen, dass du häufig sehr lange Beiträge schreibst. Wie lange schreibst du denn für gewöhnlich an einem Artikel?

Es ist selten, dass ich einen Artikel mal nicht aus einem Guss schreibe. Was in den Artikel rein kommt, habe ich mir meistens aber schon die letzten Tage überlegt. Und wenn ich mir dann die einzelnen Punkte nicht mehr so richtig merken kann, ist es an der Zeit das alles nieder zu schreiben. Mir ist dabei immer besonders wichtig, dass das Thema aus allen Seiten beleuchtet wird. Da so ein Artikel dann meistens schon davor im Kopf entstanden ist, geht das runterschreiben sehr zügig. Viel länger als zwei Stunden brauche ich da selten.

Einige Artikel entstehen aber auch, wenn ich beim Schreiben eines Kommentars merke, dass er inzwischen schon fast länger als der eigentliche Artikel ist. Nach ein paar kleinen Änderungen ist so ein Artikel dann auch sehr schnell erstellt.

Auf deiner Seite gibt es ein Download-Center und Zeichnungen auf kariertem Papier. Beides ist ziemlich ungewöhnlich für einen Blog. Was hat es damit auf sich?

Das Download-Center ist dadurch entstanden, dass ich ein Image von einer AndroidROM für meinen Laptop von einem Filehoster runterladen musste. Selbstverständlich mit Wartezeit und Geschwindigkeitsdrosselung. Ich habe dem Entwickler dann angeboten, dass ich diese Datei bei mir auf den Server packe, damit die Nutzer möglichst schnell an die Datei kommen. Außerdem hilft es mir, nicht ständig Links zu irgendwelchen Downloads aktuell halten zu müssen. Diese Datei kommt dann einfach bei mir auf den Server und bleibt da auch verfügbar.

Die Zeichnungen hingegen sind noch aus den Kinderschuhen meines Blogs. Damals habe ich jede Woche die Zeichnungen einer Freundin bei mir veröffentlicht. Man glaubt es kaum, aber der Typ mit den langen Haaren war ich. Jedoch fand ich es irgendwann zu aufwändig jede Woche ein neues Bild zu veröffentlichen. Andererseits mal wieder ein tolles Beispiel, dass mein Blog überhaupt nicht themengebunden ist, sondern lediglich eine Zusammenfassung von Dingen, die ich der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen möchte.

In deinem bisher erfolgreichsten Artikel erklärst du, wie man einen PS3-Controller unter Windows 7 verwenden kann. Diesen Beitrag hast du komplett in Englisch verfasst. Wolltest du mit diesem Artikel gezielt ein internationales Publikum ansprechen oder warum hast du ihn in Englisch geschrieben?

Ich habe wirklich lange gebraucht, um den Controller ohne Probleme unter Windows 7 nutzen zu können. Davor habe ich, in der Hoffnung eine Lösung zu finden, wirklich jedes Forum abgegrast in dem irgend so eine Frage aufgetaucht ist. Da diese eigentlich alle auf Englisch waren, war es eigentlich klar, dass ich meine Lösung auch auf Englisch verfassen muss. Immerhin wollte ich allen die Möglichkeit bieten, ihren PS3 Controller problemlos nutzen zu können.

Erst Google-Gegner, dann Google-FanDu bist in Google+ ziemlich aktiv und dort in über 2.000 Kreisen. Wie schafft man es denn, in so viele Kreise aufgenommen zu werden?

Einen Großteil davon habe ich im ersten Monat nach dem Start von Google+ bekommen. Damit man dort überhaupt etwas testen kann, braucht man natürlich Leute denen man folgt. Damals hat einfach jeder jedem gefolgt. Wenn man dann einen Kommentar bei jemandem hinterlassen hat, der schon hunderte von Followers hat, wurde man innerhalb von Minuten von 50 Leuten hinzugefügt. Und so wie es aussieht, scheinen meine Posts ja gar nicht so uninteressant zu sein. Immerhin wurde ich von den Early-Adaptors nicht allzu oft aus den Kreisen geschmissen, und meine Follower steigen stetig weiter.

Viel wichtiger als die Zahl meiner Follower ist aber, dass ich durch Google+ inzwischen schon viele Leute kennen gelernt habe, die meine Interessen teilen. Das habe ich bei Twitter und Facebook nicht geschafft, da dort eigentlich immer nur Leute hinzugefügt werden, die man sowieso schon irgendwie kennt.

Du nutzt nicht nur Google+, sondern auch viele andere Google-Produkte und bezeichnest dich selbst auch als Google-Fanboy. Hast du keine Bedenken, dass du Google damit sehr viele Informationen über dich lieferst?

Diese Bedenken hatte ich wirklich lange. Vor über zwei Jahren war ich sogar ein Google Gegner! Aus diesem Grund habe ich meine Seminararbeit in der Schule auch über Google geschrieben. Ich wollte eigentlich besonders den monopolistischen Aspekt von Google sehr kritisch beleuchten. Dabei habe ich mich wirklich sehr intensiv mit Google beschäftigt. Leider hatte ich mich im Vorfeld für eine technische Arbeit eingetragen und habe dann den PageRank von Google untersucht. Im Nachhinein war das aber auch nicht das Dümmste.

“Mich nervt Werbung für Tampons”

Letztendlich bin ich aber durch die vielen Informationen über Google zu dem Schluss gekommen, dass lediglich Google Zugriff auf meine Daten hat. An die Kunden von Google wird ja nur eine Zielgruppe verkauft, auf die die Werbung abgerichtet wird. Ob ich als Nutzer drin bin oder nicht, kann der Kunde nicht sehen. Und ich gebe doch gerne meine Daten her, wenn ich dafür so tolle Produkte wie die Google Suche, Google Mail, Android oder die vielen anderen Produkte kostenlos bekomme. Letztendlich also eine Win-Win-Situation, immerhin werde ich jetzt auch nicht mehr mit Werbung für Tampons genervt.

Außerdem glaube ich nicht, dass Google sich an den Daten seiner Nutzer vergehen wird. Sollte das an die Öffentlichkeit gelangen, dürfte es für sie ziemlich düster an der Börse aussehen.

Danke für das Interview.

Ich sehe das ehrlich gesagt ein bisschen kritischer als Pascal. Dass man, wenn man sich im Internet bewegt, Spuren hinterlässt, lässt sich nur schwer oder sogar gar nicht vermeiden. Ich nutze aber, wenn möglich, lieber Dienste von mehreren verschiedenen Anbietern als mich von einer Firma abhängig zu machen. Das ist auch mit ein Grund, warum ich z. B. Piwik und nicht Google Analytics verwende.

Wie seht ihr das? Fühlt ihr euch beim Surfen im Internet sicher oder habt ihr Bedenken, dass eure Daten missbraucht werden könnten? Nutzt ihr lieber die Dienste von einer Firma oder wechselt ihr auch mal den Anbieter? Schreibt doch bitte etwas dazu in den Kommentaren.

Veröffentlicht von

Cujo

Die Webmaster-Zentrale wurde im Januar 2010 von mir gegründet. Dabei haben mich 3 Internetauftritte maßgeblich beeinflusst. Zum einen die Website des t3n-Magazins, www.t3n.de, auf der immer sehr interessante Artikel zum Thema Webseitenerstellung gepostet wurden. Genau solche Artikel wollte ich auch schreiben. Dann bin ich schon seit mehreren Jahren im Homepage-Forum, www.homepage-forum.de, aktiv. Im Laufe der Zeit stellte ich fest, dass dort immer die gleichen Fragen gestellt wurden. Jedesmal darauf die gleichen Antworten zu geben, war erstens langweilig, zweitens zeitraubend und drittens hat es sich nicht gelohnt, die Fragen ausführlich zu beantworten. In der Webmaster-Zentrale greife ich jetzt oft Fragen auf, die im Homepage-Forum gestellt wurden und habe die Möglichkeit die angesprochenen Themen viel detaillierter zu behandeln. Bei wiederkehrenden Fragen poste ich dann einen Link zu einem Artikel in der Webmaster-Zentrale. Dadurch erhalten die User ausführlichere Antworten als normalerweise in einem Forum üblich. Die Idee, Informationen bereitzustellen und diese im Forum zu verlinken, habe ich von Daniel, www.homepage-faqs.de, übernommen. Daniel bezeichnet sich selbst als Forenhelfer und ist sehr aktiv im Homepage-Forum. Er hat schon zahllosen Usern mit seinen Informationen geholfen und ihnen die Grundlagen der Webseitenerstellung erklärt. Diese 3 Webauftritte hatten einen so großen Einfluss auf mich, dass ich sicher behaupten kann, dass es ohne sie die Webmaster-Zentrale nicht geben würde.

13 thoughts on “Vom Google-Gegner zum Google-Fanboy”

  1. Das mit Google, kann man sicherlich aus mehreren Blickwinkeln betrachten.

    Wenn ich dann lese, dass Regierungsmitglieder Candas und USA, inzwsichen von Google-Mail z.B. abraten, weil Google ja jetzt die Bedingungen verschärft hat (angeblich vereinfacht), und wenn Google zeigt, was sie so alles machen mit den Daten.

    Ja, mag sein, das einzelne mitunter auch kleinere Kunden, nicht direkt an meine Daten kommen, so liefert Google jedoch gerne Auskunft für jegliche Behörden.
    Übrigens auch Deutschen Behörden, und das gar nicht mal so selten. Google veröffentlicht die Zahlen ja selbst.
    Aber auch, was technisch so möglich ist, zeigte Google mal in Werbeclips, bis klar wurde, dass es gar nicht so gut ankam, wie sie dachten.

    Alleine die Benutzung der Suchmaschine, und das suchen nach Begriffen, liefert sehr vieel Rückschlüsse auf den Benutzer.

    Aber auch so tolle Features, wie das laden aller Kontakte auf dem PC, kommt sehr gut an.
    Vor allem, wenn es mein Arzt macht, Mein Zahnarzt, mein Bankmitarbeiter, sein Handy am PC, mit Googlemail abgleicht.. und dabei alle Adressen von z.B. Outlook des PC´s mit hoch lädt.

    Was ja übrigens auch Facebook gerne macht. Da sind dann alle Patienten automatisch Freunde desjenigen, oder Bankkunden… etc.. Psycholgen-Patienten.. etc.

    Gibt es nicht?

    Dann lest mal etwas andere Berichte, wo es tatsächlich vorgekommen ist.

    Shcon mal die Funktionen von Picasa entdeckt?
    Wird inzwischen auch vom BKA genutzt.

  2. Der Erfolg der Google-Produkte liegt in Einfachheit der Bedienung, der unkomplizierten Einbindung, dem Fehlen jeglichen Schnickschnacks und der ausgefeilten Funktionalität.
    Wer mal versucht hat in einem Land, in dem Strom Mangelware ist, ein Mail bei 1und1 oder Alice usw. mit einer Modemverbindung abzurufen, der wird schnell die Vorzüge von Googlemail schätzen. Zudem hat man mit einer Anmeldung Zugriff auf alle Produkte.
    Eigentlich nur Vorteile, wenn man es oberflächlich betrachtet.
    Das eigentliche Problem ist der User. Viele gehen schlicht zu sorglos mit Ihren Daten um.
    Sie speichern jahrelang ihre wichtigsten Daten und alle Fotos auf dem PC, ohne eine Sicherung zu machen, die Festplatte geht ja nur bei Anderen kaputt, haben alle Adressen nur auf dem Handy, verlieren tun es ja auch nur die Anderen und posten öffentlich im Social-Media Bereich, wie schön ihr Urlaub war, mit den entsprechenden Fotos natürlich, obwohl im Personalbüro eine Krankmeldung vorliegt.
    Das sind leider keine Einzelfälle und hat auch selten mit mangelnder Intelligenz zu tun. Am PC und im Internet meinen viele anonym zu sein und über die Vergänglichkeit der Hardware, oder den möglichen Verlust des Handys machen sich die Wenigsten Gedanken.
    Spätestens bei einem Providerwechsel merkt man, wie unklug es war, Internet – Homepage – E-Mail usw. nur bei einem Anbieter zu haben.
    Gleiches gilt auch für die Google-Produkte.
    Was passiert, wenn das Konto gelöscht oder gesperrt wird, aus welchen Gründen auch immer? Das wäre bei nicht Wenigen der Verlust eines jahrelangen digitalen Lebens.

    Gruß
    hansen

  3. Es gibt aber auch deutsche Blogger, die auf den Datenschutz absolut pfeifen. Und die dann, wenn man sie darauf anspricht auch noch aggressiv werden, weil man sie wegen solch einen ‘Dünnpfiff’ von Angelegenheit anschreibt, aber die ‘wirklich wichtigen Dinge’ ohne Kommentar geschehen ließe!

    Das durfte ich vor kurzem am eigenen Leib erfahren. Der Blog flog natürlich umgehend aus meiner Blogroll, auch wenn das diesem sicher nicht allzuviele Besucher kosten wird.

    Man stand auf dem Standpunkt, das man sich eben nicht im I-Net bewegen dürfe, wenn man Angst um seine Daten haben sollte. Und daraus leitete man anscheinend ab, sich auch nicht um den Datenschutz bezüglich seiner Besucher kümmern zu brauchen.

  4. @Blog Passsy
    Mein Antiviren-Programm meldet 2 Schädlinge auf der Seite……

    @Google
    Jeder kann von Google, Apple und Co halten was er will. Schließlich ist man nicht gezwungen solche Dienste zu nutzen. Nur wer sie aktiv nutzt, sollte sich im klaren sein, dass die Dienste nicht kostenlos sind und die Unternehmen irgendeine Gegenleistung fordern.

    Man könnte es auch alles selbst programmieren/hosten etc. was Google und co bereitstellt.

  5. @Alexander
    So einfach kann man es sich nicht machen. Wenn ich als normaler Nutzer im Internet unterwegs bin, komme ich zwangsläufig auf jeder zweiten Seite mit google in Kontakt. Durch Analytcs, Suchwidgets, oder was auch immer. Das gleiche gilt für eingebundene Facebook Buttons, oder Videos von Youtube.

    Wenn man das nicht möchte, muss man aktiv Gegenmaßnahmen dazu einleiten.

    Es reicht also nicht aus zu sagen, dass man nicht dazu gezwungen wird die Dienste zu nutzen. Man tut es automatisch, wenn natürlich auch nicht alle.

  6. Google ist im Moment vielleicht nicht mehr ganz so im Fokus wie Facebook. Facebook ist ja im Moment in aller Munde und bietet viel Angriffsfläche. Daher kommt Google gerade wieder etwas “freundlicher” daher

  7. Letzendlich wissen wir inzwischen welches Kapital ein User für Facebook bedeutet. Auf 100.000.000.000 US Dollar wird der Börsenwert von Facebook geschätzt. Macht bei 1.000.000.0000 User die bald erreicht werden 100 Dollar pro User. Und das wird für Google ähnlich sein. Denn diese User bringen Werbeeinnahmen. Und sie werden wertvoller je besser man die Daten aufbereitet und miteinander verknüpft. Relationen herstellt wie der Datenbankdesigner dies nennt. Schöne neue Welt. Wir werden uns dran gewöhnen als Kapital für diese Datensammler herhalten zu müssen.

  8. Ich denke es ist eine Frage der Zeit was aus Google+ wird. Derzeit spielt es zu Facebook kaum eine Rolle. Mit dem Erfolg der meiner Meinung nach noch kommen wird ändert sich auch die Wahrnehmung. Von “freundlicher” wie es Paul sagt bleibt dann sicher auch nicht mehr viel.

  9. Ich sage es mal knallhart. Für mich ist F***bock und Gockel der gleiche Mist. Beides brauche ich nicht. Und Gockel … ich habe keine Angst vor einen Mag-Google-Filter nicht, weil ich mich vom Internet-Acker mache.

  10. Ich sehe die Entwicklung Googles gerade in Hinblick auf die geplanten und teils schon durchgeführten Veränderungen (semantische Suche, Personalisierung, Google+) ebenfalls skeptisch. Mal sehen, ob Piwik eine Alternative zu GA ist. Durch den Klarnamen-Zwang kommt Google+ für mich eh nicht in Frage.

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